Freitag, 20. Juli 2012

Bluthochdruck: Marienhospital Stuttgart mit neuem, schonendem Eingriff an den Nierengefäßen

Herz-Experten: Dr. Manfred Theisen und Dr. Herbert Tröster (rechts)
Wenn Medikamente bei Bluthochdruck nicht mehr anschlagen, können betroffene Hochdruckpatienten jetzt das Marienhospital Stuttgart aufsuchen – dort erfolgt eine Verbesserung der Situation durch einen kleinen Eingriff an den Nierengefäßen.

„Es gibt Patienten, die trotz Einnahme von drei und mehr Blutdruckmitteln die arterielle Hypertonie nicht in den Griff bekommen. Für diese Patientengruppe bieten wir jetzt eine neue Behandlungsmethode an“, sagt Dr. Herbert Tröster. Er und sein Kollege Dr. Manfred Theisen sind ärztliche Direktoren des Schwerpunkts Kardiologie (Herzerkrankungen) am Marienhospital in Stuttgart. Dr. Theisen betont: „Unbehandelter Bluthochdruck kann zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen führen. Deshalb ist es wichtig, dass auch bei denjenigen Patienten der Blutdruck gesenkt wird, bei denen Medikamente nicht oder nicht ausreichend stark anschlagen.“

Zum neuen Verfahren: Schon seit vielen Jahrzehnten ist bekannt, dass eine Hauptursache von Bluthochdruck Überreaktionen des Sympathikus sind. Das ist der Teil des Nervensystems, der unter anderem für die Steuerung der meisten Organe verantwortlich ist. Insbesondere im Bereich der Nierengefäße verlaufen sympathische Nervengeflechte, deren Überaktivität als Auslöser für Bluthochdruck gilt. Bereits in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts war dieser Wirkmechanismus bekannt. 


Chirurgen machten sich diese Kenntnis zunutze, indem sie bei Hochdruckpatienten die Nerven in der Nierengegend operativ durchtrennten. Das Verfahren setzte aber einen großen chirurgischen Eingriff mit vielen Risiken voraus und wurde daher nur selten angewandt. „Heute stehen etwa für die Aufdehnung verstopfter Herzkranzgefäße moderne nichtchirurgische und sehr schonende Verfahren zur Verfügung. Und ganz ähnlich geht man auch bei der renalen Denervierung vor“, so Dr. Tröster.

Schonende Behandlung. Der Patient benötigt für die Durchtrennung der überaktiven Nerven nicht mal eine Vollnarkose. „Es reicht ein Schmerzmittel und eines, das ihn in einen Dämmerzustand versetzt“, so Dr. Theisen vom Marienhospital Stuttgart. Der Arzt führt durch einen kleinen Einschnitt in der Leistengegend einen Katheter über das Blutgefäßsystem bis in die Nierenarterie. Durch diesen Schlauch wir ein dünner Draht bis in die Nähe der Niere geschoben. An dessen Ende befindet sich eine Elektrode. 

Sie gibt jeweils zwei Minuten lang einen Hochfrequenzstrom ab. Dieser sorgt dafür, dass die sympathischen Nerven „ausgeschaltet“ werden, welche sich in dieser Körperregion auf der Innenwand der Nierenarterie befinden und die für den Bluthochdruck verantwortlich sind. Bis die blutdrucksenkende Wirkung des Eingriffs einsetzt, können allerdings einige Tage bis Wochen vergehen.

Die ersten größeren Studien zu der Methode stammen aus dem Jahr 2009. Sie belegen, dass die Niere durch den Eingriff keinen Schaden nimmt und bislang auch sonst keine Nebenwirkungen aufgetreten sind. Der Blutdruck konnte demnach innerhalb der ersten 12 Monate nach dem Eingriff um durchschnittlich 27 mmHg gesenkt werden. „Die meisten Patienten müssen auch nach der renalen Denervierung weiter Blutdrucksenker nehmen. Aber der Eingriff in Verbindung mit den Medikamenten sorgt dafür, dass der Blutdruck so niedrig wird, dass Folgeerkrankungen verhindert werden“, erläutert Dr. Theisen. 


Mehr Informationen bei der Klinik:
Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, Marienhospital Stuttgart, Böheimstraße 37, 70199 Stuttgart, Telefon (0711) 6489-0. www.marienhospital-stuttgart.de 

Juli 2012. Redaktion mag21
Copyright Foto: Marienhospital Stuttgart

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