Donnerstag, 17. November 2011

Altershirndruck verhindern - wichtig für Menschen ab 60. Experten helfen im Klinikum Stuttgart

Demenz, Parkinson, Alzheimer? Nein: Es ist nur der Altershirndruck! Rund 60.000 Menschen in Deutschland leiden unter Altershirndruck. Betroffen sind meist Frauen und Männer ab sechzig Jahren aufwärts. Was sind die Symptome?  Unsicherer Gang, Gedächtnisverlust, Blasenschwäche – alles ähnliche Anzeichen wie bei Demenz, Parkinson, Alzheimer oder Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch. Das erschwert vielen Hausärzten oft eine Diagnose.

So kann der Altershirndruck ungestört seinen Lauf nehmen – mit weitreichenden Einschränkungen durch die Druckschädigung des Gehirns. Dabei ist es gerade die frühzeitige Diagnose, die Chance auf eine wirksame Behandlung bietet. Obwohl Altershirndruck bereits in den 60er-Jahren entdeckt worden ist, gilt die Ursache der Krankheit nach wie vor als nicht heilbar. Allerdings kann sie gut behandelt werden.

So beispielsweise bei einem 79-jährigen Patienten, der müde und antriebslos unter Gangstörungen, Blasenschwäche und Gedächtnisverlust litt. Im Neurozentrum des Klinikums Stuttgart, das über eine besondere Expertise und Erfahrung in Diagnostik und Therapie des Altershirndrucks (Normaldruckhydrozephalus, NPH) verfügt, wurde aufgrund der Symptome in der Neurochirurgischen Klinik im Katharinenhospital eine sogenannte Lumbalpunktion durchgeführt und etwa 50 ml Flüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal entnommen. Unmittelbar danach konnte der Patient wieder gut laufen.

Prof Dr. Nikolai Hopf
Dies war für den Ärztlichen Direktor der Klinik, Prof. Dr. Nikolai Hopf, eine typische Reaktion für NPH-Patienten. „Im Normalfall wird das Nervenwasser, der sogenannte Liquor, über die Hirnhäute und im Rückenmarkskanal wieder abgeführt. Beim Altershirndruck ist dieses Aufsaugen jedoch gestört. Es kommt zum Aufstau, zur Erweiterung der Hirnkammern und langsamen Druckschädigung des Gehirns“, so der Chefarzt. Für die Behandlung des Altershirndrucks hat sich die sogenannte Shunt-Therapie etabliert. Dabei wird im Rahmen eines schonenden Eingriffs ein kleiner Katheter in die Hirnkammern implantiert. Von außen unsichtbar wird die überschüssige Flüssigkeit über einen dünnen Schlauch in die Bauchhöhle umgeleitet. So erklärt sich auch der Name der Therapie: Shunt heißt Umleitung. Und dank eines programmierbaren Ventils kann die Menge der umgeleiteten Flüssigkeit ohne zusätzlichen Eingriff jederzeit von außen fein justiert und in Sekundenschnelle verändert werden. 

Altershirndruck frühzeitig erkennen – Angehörige sollten auf bestimmte Verhaltensweisen achten
„Eine erfolgreiche Therapie setzt voraus, dass die Krankheit möglichst frühzeitig nach dem Auftreten der ersten Symptome erkannt und behandelt wird“, so Prof. Dr. Hansjörg Bäzner, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik im Bürgerhospital – Klinikum Stuttgart, bei dem sich häufig Patienten mit solcher Symptomatik vorstellen. Dazu gehören:
• Schwierigkeiten beim Gehen
• Gedächtnisprobleme
• Blasenschwäche
• Kopfschmerzen, Sehunschärfen
• Reizbarkeit, Müdigkeit, Gleichgewichtsstörungen
• Schwierigkeiten beim Aufwachen und Wachbleiben
• Wesensveränderungen
•  Leistungsabfal und Konzentrationsprobleme

Prof. Dr. Hansjörg Bäzner
Diese Symptome machen deutlich: Altershirndruckpatienten brauchen die Unterstützung ihrer Angehörigen, weil die Betroffenen selbst die Symptome oft gar nicht bewusst an sich feststellen. Deshalb sind die Angehörigen aufgerufen, die Symptome aufmerksam zu beobachten, um dem Arzt den Krankheitsverlauf schildern zu können und frühzeitig den Kontakt zu einem Arzt herzustellen.


Weitere Informationen im Neurozentrum des Klinikums Stuttgart unter Telefon (0711) 278-0.

November 2011. Ann-Kathrin Borell/Redaktion mag21 
Copyright Fotos: Klinikum Stuttgart

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